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Messen in der Elektroinstallation: Spannung, Durchgängigkeit, Polung, und warum man misst, bevor man anfasst

· 5 Min. Lesezeit

Was ein Messwert zwischen L, N und PE bedeutet, warum ein ausgeschalteter LS-Schalter keine Spannungsfreiheit beweist, was Niederohm- und Isolationsmessung prüfen und warum vertauschte L und N Geräte auch ausgeschaltet unter Spannung lassen.

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Unter Elektrikern gilt: Eine Anlage steht unter Spannung, bis das Gegenteil bewiesen ist. Nicht bis der LS-Schalter unten ist, nicht bis die Beschriftung es sagt. Bewiesen, mit einem Messgerät. Dieser Artikel erklärt, was die üblichen Messungen an einer Anlage zeigen und wozu jede einzelne dient. Er ist keine Anleitung zum Arbeiten an der eigenen Installation: Das ist in Deutschland Sache einer Elektrofachkraft.

Warum „Sicherung ist raus“ nicht reicht

Den LS-Schalter „Küche“ auszuschalten, lässt einen Stromkreis öfter unter Spannung, als man denkt:

  • Die Beschriftung im Verteiler stimmt nicht, oder der Stromkreis wurde von einem anderen aus erweitert.
  • Ein geliehener oder gemeinsamer Neutralleiter führt Strom eines Stromkreises, der noch eingeschaltet ist; der „tote“ Neutralleiter ist also nicht tot.
  • Schalter oder LS-Schalter liegen im Neutralleiter statt im Außenleiter; der Stromkreis ist aus, steht aber unter Spannung.
  • Es gibt eine zweite Quelle: ein Notstromaggregat, einen PV-Wechselrichter oder eine Einspeisung aus einem anderen Verteiler.

Deshalb beginnen alle Arbeiten mit den fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100 (EN 50110-1): freischalten; gegen Wiedereinschalten sichern; Spannungsfreiheit allpolig feststellen; erden und kurzschließen; benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.

Das richtige Gerät für die Spannungsfreiheit

Spannungsfreiheit stellt die Elektrofachkraft mit einem zweipoligen Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3 fest. Ein Multimeter ist dafür in der gängigen Praxis nicht das Mittel der Wahl; für Messungen in Anlagen muss es zumindest für die Messkategorie (CAT III oder CAT IV) und die Spannung zugelassen sein, mit abgesicherten Messleitungen und berührungsgeschützten Prüfspitzen.

Zwei Gewohnheiten sind wichtiger als die Marke:

  1. Das Gerät prüfen, vor und nach der Messung, an einer bekannten Spannungsquelle. Ein Prüfer, der 0 V zeigt, kann schlicht defekt sein.
  2. Alle Kombinationen messen: L–N, L–PE und N–PE. Eine einzelne Messung L–N übersieht einen Außenleiter, der gegen Erde Spannung führt.

Ein einpoliger Phasenprüfer („Lügenstift“) oder ein berührungsloser Spannungsdetektor ist bestenfalls ein erster Hinweis, niemals der Nachweis der Spannungsfreiheit.

Spannungen zwischen L, N und PE lesen

In einem gesunden einphasigen 230-V-Stromkreis sehen die drei Werte so aus:

Zwischen Normaler Wert Was ein anderer Wert nahelegt
L und N etwa 230 V 0 V: Hier kommt keine Spannung an, oder der Neutralleiter ist unterbrochen
L und PE etwa 230 V 0 V oder deutlich weniger: Schutzleiter fehlt oder ist unterbrochen
N und PE nahe 0 V, unter Last einige Volt Zehn Volt und mehr: unterbrochener Neutralleiter, unterbrochener PEN oder ein schwerer Fehler

Zwischen zwei Außenleitern eines Drehstromnetzes misst man etwa 400 V.

Messmodus

Messmodus: Die Messleitungen an L und N einer Steckdose zeigen etwa 230 V. Mit der schwarzen Leitung an PE sollte es ungefähr gleich viel sein; zwischen N und PE nahezu 0 V.

Widerstand und Durchgang: nur im spannungsfreien Zustand

Im Ω-Bereich schickt ein Multimeter einen kleinen eigenen Strom und misst das Ergebnis. Das ergibt nur in einem spannungsfreien Stromkreis Sinn. Liegt Spannung an den Messleitungen, ist der Wert bedeutungslos, und ein billiges Gerät kann Schaden nehmen. Ein gutes warnt.

Im spannungsfreien Stromkreis gilt:

  • Ein durchgehender Leiter zeigt Bruchteile eines Ohms.
  • Ein Verbraucher, etwa ein Heizstab, zeigt seinen eigenen Widerstand.
  • OL (Überlauf) heißt, zwischen den beiden Punkten besteht keine Verbindung: Der Kreis ist offen.

Für die Prüfung einer Anlage reicht ein Multimeter nicht. Die Durchgängigkeit der Schutzleiter wird mit mindestens 200 mA gemessen (DIN EN 61557-4), weil eine Verbindung, die nur noch an einer Litze hängt, den winzigen Strom eines Multimeters noch durchlässt. Der Isolationswiderstand braucht eine Gleichspannung, meist 500 V für 230/400-V-Stromkreise. Beides macht ein Installationstester.

Die Prüfungen einer Anlage

DIN VDE 0100-600 (nach IEC 60364-6) ordnet die Erstprüfung einer neuen Anlage von den Messungen ohne Spannung zu denen mit Spannung:

Prüfung Spannung Was sie nachweist
Durchgängigkeit der Schutzleiter aus Jede PE-Klemme ist niederohmig mit der Haupterdungsschiene verbunden
Isolationswiderstand aus Keine Verbindung zwischen Leitern oder gegen Erde; mindestens 1 MΩ bei 500 V DC für 230/400-V-Stromkreise
Polarität aus oder ein Schalter und einpolige Geräte liegen im Außenleiter, nicht im Neutralleiter
Schleifenimpedanz ein Der Fehlerstrom ist groß genug für rechtzeitige Abschaltung
FI-Schutzschalter ein Jeder FI löst bei seinem Bemessungsdifferenzstrom in der vorgegebenen Zeit aus
Funktionsprüfung ein Schalter, Prüftasten und Steuerungen arbeiten wie vorgesehen

Wiederkehrende Prüfungen folgen DIN VDE 0105-100; in Betrieben verlangt die DGUV Vorschrift 3 feste Fristen, und für Wohnungen bieten Innungsbetriebe den E-Check an.

Polarität: warum vertauschte L und N gefährlich sind

Vertauscht man Außen- und Neutralleiter an einer Leuchte, funktioniert meist trotzdem alles. Die Lampe leuchtet. Genau das ist das Problem:

  • Einpolige Schalter in Geräten und Leuchten unterbrechen jetzt den Neutralleiter. Das Gerät ist aus, sein Inneres aber weiter unter Spannung.
  • Bei einer E27-Fassung liegt das Gewinde, das man beim Wechseln des Leuchtmittels berühren kann, an Spannung statt des Mittelkontakts.
  • Eine Sicherung oder ein einpoliger LS-Schalter im Neutralleiter würde im Fehlerfall öffnen und den Stromkreis unter Spannung lassen.

Schuko-Stecker lassen sich in beiden Richtungen einstecken, deshalb sind Geräte für Deutschland so gebaut, dass sie bei jeder Polung sicher sind. Bei der festen Installation ist das anders: Schalter und Schutzorgane gehören immer in den Außenleiter. Genau das prüft die Polaritätsprüfung.

Messen üben, ohne Risiko

WireWhy hat einen Modus Messen mit den Geräten einer Elektrofachkraft. Klemme die rote und die schwarze Messleitung des Multimeters an zwei beliebige Klemmen, um Wechselspannung oder Widerstand zu messen; schalte den gemessenen Teil ab und sieh, wie sich der Wert ändert; bleibt im Ω-Bereich Spannung anliegen, warnt das Gerät wie ein echtes. Der Installationstester misst die Durchgängigkeit der Schutzleiter mit 200 mA und den Isolationswiderstand mit 500 V DC und verweigert die Messung, wenn er Spannung findet. Jeden Messwert kannst du in einer Ergebnistabelle in der Reihenfolge der IEC 60364-6 festhalten, mit Grenzwert und Bewertung.

Öffne WireWhy auf wirewhy.com/de, baue einen kleinen Verteiler und miss ihn durch. Was die Werte bedeuten, erklären auch Netzsysteme TN-C-S, TN-S und TT einfach erklärt und Warum fliegt der FI raus?

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